Wasser - eine knappe Ressource

Vorlesung an der Bayerischen Beamtenfachhochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck (Herbst 2002)

Vom Weltraum aus gesehen erscheint die Erde als blauer Planet, sie ist zu 71% von Wasser bedeckt. Das Weltmeer zeigt sehr komplizierte Strömungsmuster, reagiert langsam mit dem Meeresboden, rascher mit der Atmosphäre, ist die wichtigste Quelle für den Niederschlag auf den Kontinenten und Senke für Einträge vom Land. In ihm entstand wahrscheinlich das Leben. Es ist kaum zu glauben, daß Wasser bei solchem Überfluß knapp werden kann. Würde das Geamtvolumen des weltweit vorhandenen Wassers von 1.384.000.000 Kubikkilometern gleichmäßig über die Erdoberfläche verteilt, läge jeder Punkt der Erde 2,7 Kilometer unter Wasser. Allerdings sind 97,5 Prozent davon Salzwasser (1.348 Millionen Kubikkilometer) und nur 2,5 Prozent (36 Millionen Kubikkilometer) Süßwasser.

Die Wassermenge der Erde hat sich seit der Urzeit nicht vergrößert. Nur 2,5 Prozent des auf der Erdoberfläche befindlichen Wassers sind Süßwasser und als Trinkwasser, zur Bewässerung und für industrielle Zwecke geeignet. Von diesen 2,5 Prozent wiederum sind ca.69 Prozent (24.060.000 Kubikkilometer) in Polar-, Meer- und Gletschereis gebunden. Rund 30 Prozent (10.530.000 Kubikkilometer) sind sauberes Grundwasser (je zur Hälfte in Tiefen unter und über 800 m), 0,9 Prozent (342.000 Kubikkilometer) fallen auf Bodenfeuchtigkeit, Grundeis, Dauerfrost und Sumpfwasser, und 0,3 Prozent (93.000 Kubikkilometer) sind erneuerbares Frischwasser aus Seen und Flüssen. Wenn die weltweiten Wasservorräte in einer Badewanne Platz hätten, dann würde der Teil, der in einem Jahr dauerhaft genutzt werden kann, kaum einen Teelöffel füllen.

Obwohl die Süßwasservorräte nur ein Prozent der Erdoberfläche ausmachen, beherbergen sie rund 12 Prozent aller Tierarten, einschließlich 41 Prozent aller bekannten Fischspezies. So Artenreich die Flüsse und Seen sind, so extrem anfällig sind sie gegenüber Umwelteinflüssen. Mindestens ein Fünftel aller Süßwasserfischarten sind in den letzten Jahren ausgestorben oder auf die Rote Liste gesetzt worden, und in manchen Regionen sind ganze Süßwasserfaunen verschwunden.

Jährlich fallen durchschnittlich ungefähr 725 Millimeter Regen auf die Erde. An einigen Orten regnet es gleichmäßig den größten Teil des Jahres über, an anderen kommt es jährlich ein oder zwei Monate lang zu sintflutartigen Regenfällen, wogegen den übrigen Teil des Jahres fast keine Niederschläge erfolgen. Es gibt Gebiete wie die Atacama-Wüste, wo es tatsächlich nie regnet; in manchen Regionen des tropischen Regenwaldes dagegen fallen mehr als fünf Meter Regen pro Jahr. In den Trockengebieten der Erde, in denen 600 Millionen Menschen leben, beläuft sich die Niederschlagsmenge auf weniger als 300 Millimeter jährlich. Angebautes Getreide kann dort nur dank künstlicher Bewässerung gedeihen.

Wenn es darum geht, wieviel Süßwasser dem Menschen zur Verfügung steht, dann zählt nicht die Gesamtmenge des Süßwassers der Erde, sondern die Geschwindigkeit, mit der die Süßwasservorräte durch den Welt-Wasserkreislauf erneuert oder nachgeliefert werden. Dieser wird von der Sonne angetrieben und ergießt jährlich etwa 113.000 Kubikkilometer Wasser in Form von Regen und Schnee auf die Landoberfläche der Erde. Davon verdunsten etwa 72.000 Kubikkilometer wieder in die Atmosphäre. Es bleiben also jährlich rund 41.000 Kubikkilometer, die die Grundwasservorräte auffüllen können oder durch die Flüsse oder auf anderem Wege ins Meer zurückgelangen. Mehr als die Hälfte davon (28.000 Kubikkilometer) fließen bei Überschwemmungen ungenutzt ins Meer, weitere 5.000 Kubikkilometer fließen durch dünnbesiedelte Gebiete, die von menschlichen Siedlungen so weit entfernt sind, daß es nicht genutzt werden kann. Somit liegt die Obergrenze der nutzbaren, sich erneuernden Süßwassermenge zwischen 9.000 und 14.000 Kubikkilometer pro Jahr. Und ein erheblicher Teil davon ist zur Aufrechterhaltung der natürlichen Ökosysteme nötig - in und bei den Flüssen, Feuchtgebieten und Küstengewässern.



Gründe für den steigenden Wasserbedarf

Obwohl sich Wasser auf diese Weise erneuert, ist es eine begrenzte Ressource. Keine Technik kann den Grundvorrat wesentlich vermehren. Die Möglichkeit der Entsalzung könnte den Gedanken nähren, die Weltmeere seien womöglich eine unerschöpfliche Süßwasserquelle; doch die Meerwasserentsalzung bleibt teuer, belastet die Umwelt und verbraucht sich nicht erneuernde fossile Energieträger. Mit steigenden Bevölkerungszahlen sinkt also die Wassermenge pro Kopf, ein allgemeiner Indikator der Wassersicherheit. Die Wasservorräte pro Kopf liegen heute rund ein Drittel unter dem Wert von 1970, weil die Weltbevölkerung seitdem um rund 1,8 Milliarden Menschen angewachsen ist. Oder anders formuliert: es gibt heute auf dem Planeten Erde nicht wesentlich mehr Süßwasser als vor 2000 Jahren, als die Weltbevölkerung weniger als 3 Prozent der heutigen 5,4 Milliarden Menschen betrug.

Regional variiert der Wasserverbrauch allerdings beträchtlich. So beträgt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in den USA 2162, in Europa 726, in Asien 526 und in Afrika durchschnittlich 244 Kubikmeter Wasser. Theoretisch reicht die verfügbare Wassermenge aus, um eine Erdbevölkerung von rund 20 Milliarden Menschen zu versorgen. In der Realität ist aber das Trinkwasser auf der Erde sehr ungleichmäßig verteilt und unterliegt in seiner Verfügbarkeit je nach Region auch zeitlichen Schwankungen. Heute bereits leiden weite Gebiete der Erde in Afrika, Asien aber auch Großstädte wie Kairo, Los Angeles, Mexiko-City, Peking und Athen unter Wasserknappheit. Nach dem Bevölkerungsbericht der UNO wird die Weltbevölkerung im Jahr 2050 die 10 Mrd.-Grenze überschreiten. Das bedeutet, daß sich die Weltbevölkerung innerhalb der nächsten 50 Jahre verdoppelt, während die Süßwassermenge konstant bleiben wird.

Das zu erwartende weitere Bevölkerungswachstum wird in den kommenden zwei Jahrzehnten mindestens zwei Dutzend Länder und Hunderte Millionen Menschen vor die Frage der Beschaffung von genügend Süßwasser stellen. Patentlösungen gibt es nicht, denn das Wasser dieser Erde ist ungleich verteilt. Während nördliche Staaten wie Schweden das ganze Jahr über ausreichend Süßwasser haben, ertrinkt Bangladesh in der zwei Monate währenden Monsunzeit im Regen und hat den Rest des Jahres kaum Niederschläge. Einige Staaten - so Malta und Botswana - führen Lebensmittel ein, um kostbares Wasser für die künstliche Bewässerung der Landwirtschaft zu sparen. Andere Staaten beuten rücksichtslos ihre Schätze aus: Saudi-Arabien pumpt seine fossilen Grundwasservorräte ab, um damit Weizen in der Wüsten anzubauen, den man auf dem Weltmarkt für ein Fünftel des Preises kaufen könnte. Die Geschichte des Aralsees in Mittelasien, dessen Umfang inzwischen wegen der Ableitung seiner Zuflüsse auf weniger als vierzig Prozent geschrumpft ist, zeigt, daß die ökologischen Folgen unüberlegter Eingriffe in die Natur verheerend sein können.

Vier Gründe lassen sich für die Wasserknappheit nennen:
  • Trockenheit, anhaltender Wassermangel, durch trockenes Klima verursacht;
  • Dürre, ein in unregelmäßigen Abständen auftretendes Phänomen, das in trockenen Jahren in besonderem Maße zutage tritt;
  • Austrocknung, die Versteppung eines Landstriches, vor allem seines Bodens, als Ergebnis von Abholzung, Überweidung und menschlichem Handeln (Desertifikation) und
  • starke Wasserbeanspruchung, ausgelöst durch eine steigende Zahl von Menschen, für die ein bestimmter Wasserverbrauch selbstverständlich geworden ist.
Die beiden ersten Gründe sind abhängig vom Klima, die beiden anderen von den Veränderungen durch menschliches Handeln. Dabei sind entscheidend der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft, in der Industie, in den Haushalten und der Faktor Wasser als Kulturgut. Es ist hier nicht ausschlaggebend, welcher dieser Gründe der wichtigste ist und welcher zu den größten Mißständen führt. Es genügt, daß sie, gemeinsam oder getrennt, Millionen von Menschen Wasser vorenthalten, das diese für eine einigermaßen menschenwürdige Lebensführung benötigen.

Im Weltmaßstab ist die Landwirtschaft mit ca. 69 Prozent der größte einzelne Wasserverbraucher. Rund 250 Millionen Hektar Ackerfläche werden damit bewässert. Das sind nur 17 Prozent des gesamten Ackerlandes - aber mehr als ein Drittel der weltweiten Ernte wird darauf gewonnen, und in zwei von drei Ländern entfällt der größte Wasserverbrauch auf die Landwirtschaft. Der landwirtschaftliche Wasserverbrauch ist besonders hoch in Trockengebieten wie dem Mittleren Osten, Nordafrika und dem Südwesten der Vereinigten Staaten, wo der Niederschlag minimal und die Verdunstung so stark ist, daß während des größten Teils des Jahres bewässert werden muß. So verwenden die Afrikaner rund 88 Prozent ihres Wassers für die Bewässerung im Bereich der Landwirtschaft. Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist die Weltbevölkerung von 1,6 Milliarden Menschen auf über fünf Milliarden Menschen angewachsen, und parallel dazu hat das künstlich bewässerte Ackerland sprunghaft zugenommen: von 48 Millionen auf über 250 Millionen Hektar. Eine weitere Steigerung ist aber wegen der hohen Kosten bei der Erschließung neuer Wasservorräte und den notwendigen Sanierungsmaßnahmen bei den bestehenden Bewässerungsprojekten nicht zu erwarten.

Etwa 23 Prozent des Wasserverbrauchs entfallen auf den zweitgrößten Wassernutzer, die Industrie und die Energiewirtschaft. Dieser Anteil hängt stark von der Wirtschaftsstruktur und dem Entwicklungsstand der Länder ab: in der dritten Welt sind es 10 Prozent oder weniger, in den Industrieländern 60 Prozent und mehr (in Europa werden über die Hälfte des Wassers in der Industrie und zur Energieerzeugung verwandt). Die Industrie verwendet Wasser zur Kühlung, zur Verarbeitung, zur Reinigung und zur Abfallbeseitigung. Atom- und Fossilbrennstoff-Kraftwerke sind die größten industriellen Einzelverbraucher, sie verwenden unglaubliche Wassermengen zur Kühlung. Zwar wird der größte Teil des industriell genutzten Wassers in den Wasserkreislauf zurückgeführt, doch es ist oft mit Chemikalien und Schwermetallen verseucht oder so stark erwärmt, daß die Ökosysteme des Wassers leiden.

Der Haushalts-Wasserbedarf - für Trinken, Essenszubereitung, Waschen, Reinigung, Gartenbewässerung und für Dienstleistungsbetriebe wie Gaststätten und Waschanstalten - macht in den meisten Ländern nur einen kleinen Teil des gesamten Wasserverbrauchs aus, im Durchschnitt nur 8 Prozent. Er steigt im allgemeinen mit wachsendem Lebensstandard, und es gibt große Unterschiede in der häuslichen Wasserverwendung. In den Vereinigten Staaten werden pro Person täglich ca. 700 Liter für häusliche Zwecke verbraucht. Im Senegal ist es kaum ein Zwanzigstel davon: 29 Liter. Die Verwendung ist von Land zu Land sehr verschieden, sie hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Klima und der Bevölkerungsdichte ab.

Die Gefährdung des Wassers betrifft auch seine Eigenschaft als Kulturgut. Verfügbarkeit und Reinheit des Wassers spielen für den Bestand vieler Kulturen eine nicht zu unterschätzende Rolle, was sich in einer Vielzahl von wasserbezogenen Traditionen und Normen zeigt. Gewässerschutz ist insofern auch Schutz der Grundlagen menschlicher Kultur. In industriellen Gesellschaften hat Wasser allerdings kaum noch kulturelle Bedeutung. So wird Wasser nur noch gelegentlich als Gestaltungselement im öffentlichen Raum eingesetzt, Brunnenanlagen und Wasserarchitektur sind Beispiele dafür.

Wasserknappheit und Wassermangel

Wasserverknappung hat viele Dimensionen, wobei es schwierig ist zu definieren, wo der Mangel beginnt und der Überfluß endet. Malin Falkenmark, eine weithin anerkannte schwedische Wasser-Expertin, führte den Begriff des "Wasserknappheits-Index" ein, der von einem ungefähren Mindestniveau der Wasserversorgung pro Kopf ausgeht, das zu einer angemessenen Lebensqualität in einem mäßig entwickelten Land in einer Trockenzone nötig ist. Falkenmark ging von 100 Litern pro Kopf und Tag (36,5 Kubikmetern pro Jahr) als Minimum für den häuslichen Grundbedarf aus, der auch hygienische Anforderungen erfüllt. Die Erfahrung auch in effizient mit Wasser umgehenden und nur mäßig entwickelten Ländern zeigt, daß etwa das 5-20fache davon für Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugung gebraucht wird. Aufgrund dieser Befunde schlug Falkenmark bestimmte Grenzwerte zur Kennzeichung von Wasserknappheit und Wassermangel vor.

Länder, die für jeden Bewohner jährlich 10.000 Kubikmeter Wasser oder mehr besitzen, haben allenfalls begrenzte oder lokale Wasserprobleme; die mit 1.670 - 10.000 Kubikmeter haben periodische oder auch regelmäßige Wasserprobleme; die mit 1.000 - 1.670 Kubikmeter können als "wasserarm" angesehen werden und leiden unter chronischem Wassermangel; solche mit 500 - 1.000 Kubikmeter leiden an chronischer Wasserknappheit, der die wirtschaftliche Entwicklung und die menschliche Gesundheit und Lebensqualität entscheident zu beeinträchtigen beginnt und bei Ländern mit weniger als 500 Kubikmeter Wasser pro Kopf und Jahr spricht man von absolutem Wassermangel, sie sind jenseits dessen, was Falkenmark die "Wassergrenze" nennt. Das sind grobe Anhaltspunkte und keine exakten Grenzwerte. Die 1.000-Kubikmeter-Grenze wurde allerdings von der Weltbank und anderen Analytikern als ein allgemeiner Indikator des Wassermangels anerkannt.

Heute verfügen 64 Länder der Erde, in denen 17 Prozent der Weltbevölkerung leben, über einen Wasserüberschuß. 65 Länder mit 66 Prozent der Erdbevölkerung besitzen ausreichend Wasser, in 46 Ländern mit 17 Prozent der Erdbevölkerung reicht das Wasser nicht aus. Bereits heute leben rund 1,2 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser. Wenn sich die bisherige Entwicklung fortsetzt, werden im Jahr 2025 von dann insgesamt acht Milliarden Menschen über drei Milliarden nicht genügend Trinkwasser haben, und nur noch in 51 Ländern der Erde mit rund 16 Prozent der Weltbevölkerung wird es Wasserüberschuß geben; ausreichend Wasser für 61 Länder mit 34 Prozent der Weltbevölkerung. Aber vermutlich rund 50 Prozent der Erdbewohner in 63 Ländern werden akut vom Mangel betroffen sein.

20 Länder mit insgesamt 133 Millionen Menschen wurden 1990 als wasserarm eingestuft, von denen 15 eine rasch wachsende Bevölkerung aufwiesen. Auf der Liste der Mangelländer finden sich Malta, Dschibuti, Barbados, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Israel, Algerien, Tunesien, Burundi, Kap Verde, Kenia, Malawi, Ruanda, Somalia, aber auch der wohlhabende süd-ostasiatische Stadtstaat Singapur. Zu den Ländern, die bis 2025 voraussichtlich in die Kategorie der Wasserknappheit geraten werden, gehören Indien, Libyen, Oman, Marokko, Ägypten, Komoren, Südafrika, Syrien, Iran, Äthiopien und Haiti.

In vielen Gegenden der Erde fällt der Grundwasserspiegel, da weitaus mehr Wasser verbraucht wird, als sich wieder neu bildet. Zehn Länder dieser Welt benötigen mehr Wasser, als sich bei ihnen auf natürliche Weise wieder erneuert. Sie alle liegen im Mittleren Osten oder in Nordafrika: Libyen 374 (die Zahlen geben den jeweiligen Mehrverbrauch in Prozent an); Arabische Emirate 299; Quatar 174; Saudi Arabien 164; Yemen 136; Bahrein über 100; Israel über 100; Jordanien über 100; Kuwait über 100; Oman über 100. In sechs weiteren Ländern wird der Wasserverbrauch ihre erneuerbaren Vorräte bald übersteigen, wenn es beim angenommenen Bevölkerungswachstum bleibt. Im Fall Ägypten könnte dies bereits in den nächsten ein oder zwei Jahren geschehen, in Usbekistan in einigen Jahrzehnten, in Afghanisatn in etwa 24, in Aserbaidschan in etwa 30 und in Tunesien in etwa 34 Jahren.

Konflikte um Wasser

Die Knappheit von Ressourcen kann bestehende Spannungen verschärfen oder neue schaffen, und das Wasser macht da keine Ausnahme. Bereits 1980 kamen amerikanische Experten in dem vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter angeregten Bericht "Global 2000" zu folgendem Ergebnis:

"In dem Maße, wie der Druck auf die Wasserressourcen steigt, werden sich die Konflikte zwischen Ländern, die über gemeinsame Wasserressourcen verfügen, vermutlich verschärfen. Zwischenstaatliche Auseinandersetzungen zwischen Nutzern des Oberlaufs bzw. des Unterlaufs eines internationalen Flusses ergeben sich aus Fragen des Wasserrechts und der jeweiligen Prioritäten leicht. Die langfristigen Konflikte um den Rio de la Plata (zwischen Brasilien und Argentinien), um den Jordan (zwischen Israel und Jordanien), um den Euphrat (zwischen Syrien und Irak), um den Indus (zwischen Pakistan und Indien) und um den Ganges (zwischen Bangladesch und Indien) könnten sich leicht verschärfen, wenn der Druck einen kritischen Punkt erreicht. Und er wird einen kritischen Punkt erreichen".

Es gibt mehr als 200 Fluß- und Seen- sowie Grundwasserbecken, an denen mehrere Länder Anteil haben, und so besteht mit zunehmenden Bevölkerungsdruck eine erhebliche Gefahr wachsender regionaler Spannungen um die gemeinsamen Ressourcen, vor allem in trockenen und halbtrockenen Gebieten, in denen schon Wassermangel herrscht. Mindestens 214 Flüsse sind internationale Gewässer mit zwei (155 Flüsse), drei (36 Flüsse) und vier bis zwölf (23 Flüsse) Anliegerstaaten. Bei etwa 50 Ländern liegen 75% des Staatsgebietes oder mehr in Einzugsgebieten internationaler Ströme: 35 bis 40 Prozent der Weltbevölkerung leben in solchen Regionen.

"Der nächste Krieg wird um das Wasser des Nils geführt", hat der damalige ägyptische Staatsminister Boutros Boutros Ghali bereits 1988 festgestellt.

Spannungen um Wasservorräte mehren sich in aller Welt. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Er beruht auf einem einfachen, lebensbedrohenden Zusammenhang: Immer mehr Menschen müssen mit immer weniger Wasser auskommen. Der Streit wird sich zunächst dort entzünden, wo Wasser schon immer Mangelware war: In Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten, wo Bevölkerungsexplosion und steigender Wasserverbrauch nahezu zeitgleich aufeinandertreffen.

Exemplarisch soll daher die Wasserproblematik an den folgenden vier Konfliktzonen im Nahen Osten aufgezeigt werden:
  • Der Jordan mit seinen Zuflüssen, der letztlich im Zentrum des klassischen Nahost-Konfliktes liegt, in dem Syrien, Israel, Jordanien, der Libanon und das besetzte Westjordanland ineinander verzahnt sind. Seine Hauptzuflüsse entspringen in verschiedenen Ländern: der Banyas auf dem Berg Hermon in Syrien, der Dan in Israel, der Hasbani im Libanongebirge und der größte Zufluß des Jordan, der Yarmuk bildet die natürliche Grenze zwischen Syrien und Jordanien. Israels natürliche Wasservorkommen werden schon jetzt zu stark genutzt. Sie erneuern sich zwar jedes Jahr mit rund 2000 Millionen Kubikkilometern, das zu 60 Prozent aus Grundwasser und 40 Prozent aus Oberflächenwasser besteht. Prognosen sagen für das Jahr 2000 voraus, daß sich Israels Wasserverbrauch um ein Drittel erhöhen wird. Aber schon heute "entnimmt" (die Araber sagen "raubt") Israel jährlich rund 45 Prozent des Wassers aus Gebieten, die außerhalb der Grenzen von 1948 liegen (davon 500 Millionen Kubikkilometer aus der Westbank und 350 Millionen Kubikkilometer aus dem Jordanbecken, einschließlich den Golanhöhen). Gegenwärtig kontrolliert Israel noch den größten Teil der Gebiete, aus denen es sein Wasser bezieht. Dies wird sich nach einem vollständigen Abzug aus der Westbank und von den Golanhöhen drastisch ändern. Vermutlich ist die Einschätzung einiger arabischer Theoretiker überzogen, daß in Israels Bemühungen an die Wasservorräte zu gelangen, der Hauptgrund für alle vier Nahostkriege ist. Doch wo immer die Wahrheit liegen mag, fest steht, daß sich Israel seit seiner Gründung 1948 durch jeden größeren Waffengang und die folgende Besetzung arabischen Landes den Zugang zu neuen Quellen sichern konnte. Aber Israel hindert nicht nur die unter seiner Besetzung lebenden Araber daran, ihre eigenen Wasservorkommen zu benutzen; es tut das gleiche auch mit den Jordaniern. Auch Jordanien und die Westbank werden in Zukunft für ihre Wasserversorgung auf externe Quellen angewiesen sein. Je weiter der Friedensprozeß voranschreitet, desto größer wird also die hydrologische Interdependenz im Jordanbecken sein.
  • Das Fluß- und Bewässerungssystem von Euphrat und Tigris, von dem die Osttürkei, vor allem aber Syrien und der Irak abhängig ist. Im Gebiet von Euphrat und Tigris baut die Türkei seit Jahren ihr südostanatolisches Bewässerungsprojekt (Güneydogu Anadolu Projesi, GAP), das bei seiner Vollendung Anfang des nächsten Jahrhunderts ein Netz von 21 Staudämmen, 19 Wasserkraftwerken, 25 Bewässerungskanälen, zahlreichen Bewässerungssystemen und rund eintausend Kilometer Kanäle umfassen wird. Es ist das größte Investitionsprojekt in der Geschichte der Türkei und soll die aride Bergregion zu einem türkischen Kalifornien machen. Zwei Millionen Hektar Land (kurdisches Land vor allem) könnten durch dieses System bewässert werden. Mit dem Bau dieses Staudammsystems hat sich die Türkei ein Monopol bei der Wasserversorgung Syriens und des Irak geschaffen. Beide Länder hängen an Euphrat und Tirgris wie am Tropf einer hydrologischen Intensivstation (Syrien zu rund 80 Prozent, der Irak zu 65 Prozent). Die Türkei nimmt für sich in Anspruch, ihren Eigenverbrauch ohne große Rücksicht auf die beiden Nachbarn bestimmen zu können. Der türkische Staatspräsident Suleyman Demirel erklärte vor einigen Jahren - damals noch als Ministerpräsident - daß es mit dem Wasser wie mit dem Öl sei: wer an der Quelle sitze, habe ein Recht darauf, das ihm niemand streitig machen könne. Zwar hat sich die Türkei verpflichtet, im Durchschnitt 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen zu lassen, aber Syrien und der Irak fordern eine Menge von 700 Kubikmeter, während der Abfluß vor Beginn des GAP-Projektes 950 Kubikmeter pro Sekunde betrug. Die türkische Regierung sieht sich dennoch nicht einmal verpflichtet, die Menge von 500 Kubikmeter zu garantieren. Im Januar 1990 kam es bereits zu einem schweren Konflikt mit Syrien, als die Türkei für einen Monat im Zusammenhang mit dem Aufstau des Atatürk-Staudamms den Wasserabfluß des Euphrat völlig unterband. Dadurch wurde nicht nur die syrische Landwirtschaft beeinträchtigt, sondern auch die Stromerzeugung durch das Kraftwerk am Asad-Stausee, wodurch die ohnehin schon kritische Lage in der Energieversorgung weiter verschärft wurde. Die Türkei ist offensichtlich auch gewillt, das Euphratwasser als politisches Druckmittel einzusetzen. In Verhandlungen mit Syrien verband die Türkei ein Entgegenkommen bei der Abflußmenge des Euphrat mit Forderungen nach einer Einstellung der syrischen Unterstützung für die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) sowie die Schließung von deren Ausbildungslagern im Libanon.
  • Das Nilbecken mit seinen wichtigsten Anrainerstaaten Ägypten, dem Sudan, Äthiopien und Uganda ist die dritte Konfliktzone des Nahen Ostens. Das ägyptische Nileinzugsgebiet beträgt nur 3,5 Prozent der Gesamtfläche des Staatsgebietes, jedoch leben 95 Prozent aller Einwohner in diesem Bereich. Ägypten hat alle Probleme, die ein wasserarmes Land mit hohem Bevölkerungswachstum haben kann. 56 Millionen Menschen sind fast vollständig auf das Nilwasser angewiesen, aber kein Tropfen davon stammt aus dem eigenen Land. Etwa 85% des Flußwassers sind auf Regenfälle in Äthiopien zurückzuführen. Von dort kommt der Blaue Nil, der erst durch den Sudan fließt, bevor er Ägypten erreicht. Der Rest wird vom Weißen Nil zugeführt, der aus dem Victoria-See in Tansania kommt und sich in der Nähe von Khartum mit dem Blauen Nil zum Nil vereinigt. Als längster Fluß der Welt (mit ca. 6671 km Länge) versorgt der Nil insgesamt neun Länder, das letzte in der Reihe ist Ägypten.Die Wasserversorgung Ägyptens hängt praktisch zu 100 Prozent, seine Elektrizitätsproduktion zu 27 Prozent vom Wasser des Nils ab. Was also in den Staaten des Oberlaufs geschieht, gilt deshalb schon seit längerem als eine Frage des nationalen Sicherheitsinteresses. Als im Frühjahr 1979 das Camp-David-Abkommen, der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel unterzeichnet wurde, erklärte der damalige ägyptische Präsident Anwar el-Sadat: "Die einzige Angelegenheit, die Ägypten wieder in einen Krieg stürzen könnte, ist Wasser". Diese Kriegsdrohung galt den Oberanreinerstaaten für den Fall, daß sie durch Aufstauungen oder Abzweigungen die Abflußmenge des Nils verringern sollten.
  • Libyen mit der Wasserentnahme Ghadhafis durch den "Großen von Menschenhand geschaffenen Fluß" ist die vierte Konfliktzone. Mit diesem Projekt, das im September 1984 in Angriff genommen wurde, wird Grundwasser aus der Sahara zur Bewässerung in die libysche Küstenregion geleitet, und damit soll Libyen der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln nähergebracht werden. Dieses weltweit umfangreichste Bauvorhaben der letzten Jahre besteht aus rund 1800 Kilometern unterirdischer Kanalisation (Durchmesser der Rohre 4 Meter), Auffangbecken, Wasserverteilstellen, Gräben, Wasserleitungen und Straßen. Zwischen 21 und 27 Milliarden Dollar soll das Projekt kosten. Das Projekt ist hydrologisch stark umstritten. Während die Experten an der Universität Tripolis behaupten, das Grundwasser würde sich regenerieren, weil es unterirdisch aus den regnerischen Teilen des tropischen Afrikas nachfließe, zeigen sich die Hydrologen außerhalb Libyens skeptisch. Vor allem ägyptische Experten befürchten, daß den ägyptischen Oasen in der westlichen Wüste Wasser entzogen wird. Manche Wissenschaftler sind sogar der Ansicht, daß das Grundwasser erschöpft sei, noch bevor sich das Prestigeprojekt finanziell gelohnt habe.
  • Aralsee: Die Versalzung und Austrocknung des Aralsees illustriert den komplexen Fall einer folgenschweren ökologischen Katastrophe, die durch ein gigantisches Bewässerungsprojekt ausgelöst wurde (Létolle und Mainguet, 1996). Die Umsetzung dieser Planung führte in den letzten 30 Jahren zum Niedergang einer fruchtbaren, wald- und artenreichen Region, in der die Bevölkerung überwiegend von Fischfang und Landwirtschaft lebte, und endete in einer großflächigen Verwüstung mit katastrophalen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft (Giese, 1997). Der Aralsee, ehemals viertgrößter Süßwassersee der Erde, liegt mit seinem 2 Mio. km 2 großen Einzugsgebiet in der ariden und semiariden Region Zentralasiens. Dieses Gebiet umschließt die noch jungen, unabhängigen Republiken Usbekistan, Tad-schikistan sowie Teile von Kasachstan, Kirgistan, Turkmenistan, Nord-Afghanistan und Nord-Iran. Der See wird überwiegend durch zwei Zuflüsse, den Amu Darya und Syr Darya, gespeist, die den Bergregionen Zentralasiens und Kasachstans entspringen. Die Sowjetunion wollte mit diesem nur auf maximale landwirtschaftliche Erträge ausgerichteten Großprojekt in den 50er und 60er Jahren die Produktion erhöhen und neue Devisenquellen schaffen, vor allem durch den Export von Baumwolle. Untersuchungen über die Auswirkungen eines solchen Großprojekts in physikalischgeographischer, ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Hinsicht wurden nicht vorgenommen (Kasperson, 1995). Seit den 60er Jahren verminderte der Ausbau des Bewässungssystems für die drastisch vergrößerten Anbauflächen durch Anzapfen der natürlichen Zuflüsse des Aralsees den Zufluß in den See um 94% (FAO, 1996c). Dies wiederum veränderte die Wasserbilanz des Sees; der Salzgehalt erhöhte sich von 12 auf 33% Gleichzeitig verringerte sich das Volumen um zwei Drittel.

    Klicken Sie hier für eine Power-Point-Präsentation zum Thema Aralsee

    Klicken Sie hier für eine HTML-Präsentation zum Thema Aralsee


Fazit

Das Wasser ist eine unerläßliche Voraussetzung allen Lebens. Zum Überleben braucht der Mensch täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit. Die Nutzung von Wasser ist auch wirtschaftlich von großer Bedeutung; eine qualitativ und quantitativ ausreichende Wasserversorgung ist Voraussetzung jeder nachhaltigen Entwicklung. Das Wasser hat zudem wesentlichen Anteil am Klimageschehen und ist entscheidend beteiligt an Prozessen der Lithosphäre (Verwitterung von Gestein, Formung von Landschaften über Wassererosion und Frostsprengung) und Pedosphäre (Verlagerung von Stoffen im Profil, Humusbildung); es ist die Grundlage aller Lebensvorgänge auf der Erde. Diese Funktionen des Wassers als Lebensmittel, als ökonomische Ressource und als ökologisches Medium werden zudem in einer kulturellen Rolle reflektiert: Wasser war und ist in vielen Ländern ein wichtiges Kulturelement mit ausgeprägten mythologischen und teilweise religiösen Bezügen.

Beim Wasser stehen sich, deutlicher wohl als bei den anderen Umweltmedien, zwei verschiedene Sichtweisen bzw. Aufgaben gegenüber: Wasser als ökonomische Ressource, die effizient zu bewirtschaften ist, und Wasser als kulturtragendes, öffentliches (gelegentlich sogar heiliges) Gut. Diese Sichtweisen bzw. Aufgaben werden oft getrennt voneinander oder isoliert betrachtet, sind aber eng miteinander verknüpft. Beiden ist gemeinsam, daß Wasser mit einem Wert belegt wird, im einen Fall ausgedrückt durch ökonomische Wertschätzung (Wasserpreis), im anderen Fall durch kulturelle Wertschätzung (Eigenwert des Wassers).

Gefahren für die Ressource Wasser und das Kulturgut Wasser entstehen durch eine Vielzahl von natürlichen und anthropogenen Faktoren. Sie äußern sich in grundlegenden Prozessen, als Verknappung und Verschmutzung, die häufig mit Vergeudung einhergehen. Diese Prozesse treten einzeln, aber auch gemeinsam auf, sind unterschiedlich stark ausgeprägt und bezüglich ihrer Ursachen, ihrer Auswirkungen und der adäquaten Gegenmaßnahmen differenziert zu beurteilen. Sie beinhalten jeweils spezifische Probleme, die jedoch insgesamt als "Wassermangel", d.h. als Fehlen von Wasser in ausreichender Qualität und Quantität bezeichnet werden können, wobei Verschmutzung zur Verknappung beiträgt. Obwohl Wasserprobleme immer an einem konkreten Ort oder in einer bestimmten Region auftreten, also standortspezifisch sind, ist es angebracht, von globalen Wasserproblemen zu sprechen, zumal Häufigkeit, Ausmaß und Reichweite der lokalen und regionalen Probleme rasch zunehmen.

Wasser ist das Lebenselexier schlechthin. Die Verfügbarkeit über Wasser entscheidet über Leben oder Tod, Prosperität oder Verelendung; Wasserknappheit und Wasserverschmutzung können Anlaß bieten für soziale Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen. Im Jahr 1990 hatten 1,2 Milliarden Menschen noch kein sauberes Wasser und 1,7 Milliarden keine sanitären Einrichtungen. Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen werden allein aufgrund des Bevölkerungswachstums im kommenden Jahrzehnt fast 900 Millionen Menschen in diesen Kategorien hinzukommen, da die Infrastruktur-Investitionen kaum nachkommen werden. Die Nachhaltigkeit der Wassernutzung und des Waserangebots müssen zunehmend weltweit thematisiert werden, zumal das Trinken und Baden in verseuchtem Wasser eine der Hauptverbreitungswege von Infektionskrankheiten ist (fast die halbe Weltbevölkerung leidet an wasserbedingten Krankheiten). Es ist höchste Zeit, über eine globale Wasserstrategie nachzudenken, die in den nächsten Jahren konkretisiert und umgesetzt werden muß.

Eine solche Wasserstrategie muß sich nicht nur auf die Einschränkungen beziehen, die der natürliche Wasserkreislauf selbst setzt, sondern auch und besonders auf jene Folgen, die sich aus rasch wachsender Wasser-Nachfrage für Gesundheit, Industrie und Landwirtschaft ergeben, die aus der Belastung und Verschlechterung der Böden, der chemischen Wasserverschmutzung, durch Überschwemmung und Dürre und durch unterschiedliche Interessen in den grenzüberschreitenden Wasser-Einzugsgebieten entstehen. Sowohl Oberflächen- als auch Grundwasser werden zunehmend verschmutzt, und die Bodenproduktivität wurde durch Versalzung, Bodenerosion und Versteppung reduziert.

Diese Trends haben die "Kommission für Umwelt und Entwicklung" (Brundtland-Kommission) bereits 1987 dazu veranlaßt, eine "nachhaltige Entwicklung" einzufordern. Der Begriff "nachhaltige Entwicklung" bedeutet dabei, daß die Entwicklung der Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation erfüllt wird, ohne die Chancen der zukünftigen Generationen zu schmälern. Auf das Wasser angewandt heißt dies, daß die Aufgaben der Zukunft darin bestehen,
  • Wege und Mittel zu finden, sauberes Trinkwasser und sichere sanitäre Verhältnisse für alle Menschen zu garantieren;
  • die Wasserversorung für Landwirtschaft und Industrie sicherzustellen;
  • ein wirksames Wasser-Management zu fördern;
  • Maßnahmen zur Wassereinsparung und zum Wasserschutz durchzusetzen; und schließlich
  • die internationale Kooperation zu verbesseren und mehr finanzielle Mittel für das Wassermanagement zu aktivieren.
Auf dem Weltgipfel in Rio de Janeiro 1992 waren sich die Regierungen der Welt darin einig, daß mit den Wasservorräten unter voller Berücksichtigung ihrer Grenzen tragfähig umgegangen werden muß. In der Agenda 21 heißt es dazu:

"Wasser ist für alle Seiten des Lebens notwendig. Das allgemeine Ziel besteht in der Sicherung einer ausreichenden Versorgung mit gutem Wasser für die gesamte Bevölkerung dieses Planeten bei Erhaltung der hydrologischen, biologischen und chemischen Funktionen der Ökosysteme, Anpassung der menschlichen Aktivitäten an die Tragfähigkeit der Natur und Bekämpfung der Überträger wasserbedingter Krankheiten".

Doch die Erörterung von Strategien zur Umsetzung der Programme von Rio hat gerade erste eingesetzt. Langfristige Lösungen verlangen aber auch und vor allem die Auseinandersetzung mit den Realitäten des Bevölkerungswachstums.




Literatur (eine Auswahl)

Hans Reiner Böhm/Michael Deneke, Wasser. Eine Einführung in die Umweltwissenschaft. Darmstadt 1992
Robin Clarke, Wasser. Die politische, wirtschaftliche und ökologische Katastrophe - und wie sie bewältigt werden kann. München 1994
Thomas Kluge, Engelbert Schramm, Aicha Vack, Wasser-Wende. Wie die Wasserkrise in Deutschland bewältigt werden kann. München 1995
Robert Engelman, Pamela Leroy, Mensch, Wasser! Die Bevölkerungsentwicklung und die Zukunft der erneuerbaren Wasservorräte. Hannover 1995
Peter Barth, Krieg um Wasser? Wasserkonflikte im Nahen und Mittleren Osten, Starnberg 1994



Materialsammlung

Stoffsammlung Wasser ( ca. 5,6MB )


© 2010 Dr. Peter Barth