Vorlesungen


Hochschule für angewandte Wissenschaften
FH München
(nach oben)
University of Applied Sciences
Fakultät 13 Studium Generale und Interdisziplinäre Studien
Dachauer Straße 100a
80636 München

 


Wintersemester 2017/18

Israel und Europa - wem gehört das Heilige Land?

Die Lage in Israel bleibt angespannt. Noch immer kommt es fast täglich zu Messerattacken oder andere Gewalt gegen Juden. Die meisten Angreifer werden erschossen. Es gibt gute Gründe, Israel zu kritisieren. An Sündenfällen mangelt es nicht. Die westliche Welt hält die Besetzung des Westjordanlandes, Ostjerusalems und der Golan Höhe für rechtswidrig. Die Siedlungspolitik ist kurzsichtig, torpediert Friedensbemühungen und macht einen Staat der Palästinenser unmöglich. Die schleichende Enteignung von Land in den besetzten Gebieten empört und entmutigt die Palästinenser. Israels Soldaten wehren sich gegen Angriffe, aber ihre eigenen Übergriffe gegen Leib und Leben von Palästinensern sind gut dokumentiert. Die Zerstörung von Wohnhäusern der Familien von Terroristen widerspricht moderner Rechtsauffassung. Netanyahus Politik ist heuchlerisch. Offiziell spricht er von der Zweistaatenlösung, inoffiziell lässt er sein Volk wissen, dass es mit ihm keine geben werde. Der Apartheitsstaat, dessen Konturen bereits sichtbar sind, verfestigt sich. Viele Israelis akzeptieren diese Kritik. Was sie meist nicht akzeptieren, ist Doppelmoral. Israel, sagen sie, werde ausgegrenzt. Es wird öfter und härter kritisiert als andere Länder, die sich gleich Schlimmes oder Schlimmeres zuschulden kommen lassen. Die deutsche Regierung sowie die Mehrheit der Öffentlichkeit wollen – wie die Regierungen und Bevölkerungsmehrheiten der USA, der EU und der meisten Staaten der Welt – eine Zweistaatenlösung. Sie gilt als Zauberformel für die Lösung des Konflikts, ohne dass ihre Befürworter jemals genau gesagt hätten, was mit inzwischen über 630.000 Israelis im Ostteil Jerusalems und dem Westjordanland nach der Gründung eines Staates Palästina geschehen soll. Was kann die Europäische Union, was kann Deutschland in dieser Situation unternehmen, um einen Friedensprozess zu ermöglichen?

Lernziele:
Die Studierenden sollen informiert werden über die historischen Hintergründe, den Holocaust, die Gründung des Staates Israel, die zahlreichen Kriege in dieser Region, die bisher gescheiterten Friedensbemühungen, die Probleme die man lösen muss: Flüchtlingsfrage, Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten, Grenzziehung, Wasserproblematik, die Rolle Jerusalems, die wirtschaftliche Kluft zwischen Israel und Palästina. Aufgezeigt wird, wie der Konflikt von beiden Seiten durchgeführt wird und welche Rolle Deutschland und die Europäische Union spielen könnte.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung

Zur Vorbereitung der politikwissenschaftlichen Vorlesung "Israel und Palästina - wem gehört das Heilige Land" empfiehlt sich folgende Literatur:
* Barth, Peter: Israel heute, zwischen Demokratie und Theokratie, München 2012
* Diner, Dan: Rituelle Distanz. Israels deutsche Frage, München 2015
* Krämer, Gudrun: Geschichte Palästinas, München 2002
* Weizman, Eyal: Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung, Hamburg 2009
* Wild, Petra: Die Krise des Zionismus und die Ein-Staat-Lösung. Zur Zukunft eines demokratischen Palästinas, Wien 2015

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Wintersemester 2017/18

China – die neue Weltmacht

China war bis ins 16. Jahrhundert hinein die fortschrittlichste Zivilisation der Welt, ein Land, das über die Meere herrschte und weltweiten Handel trieb. An diese Zeit scheint die Volksrepublik China anknüpfen zu wollen. Die Großmacht ist auf dem Weg zur Supermacht: wirtschaftlich, politisch und militärisch. Chinas Wirtschaft boomt. Die in den 1980er Jahren eingeleitete und in den Folgejahren konsequent fortgeführte Reform- und Öffnungspolitik hat zu einem geradezu explodierenden Wirtschaftswachstum geführt. Der rasante Aufstieg hat eine Kehrseite. So sind neben enormen Fortschritten schwerwiegende Konsequenzen für die Sozialstruktur des Landes und seine Umwelt nicht zu übersehen Die Widersprüche sind groß, und sie betreffen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen: Es gibt Ansätze einer Zivilgesellschaft neben dem Beharrungsvermögen der Diktatur der Kommunistischen Partei, makroökonomische Stabilität neben sozialem Chaos, irrwitzigen Reichtum neben bitterster Armut, Entwicklung neben gravierender Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung. Die angehende Supermacht China ist wirtschaftliche Großmacht und Entwicklungsland in einem. China macht sich bereit, den frei werdenden Platz der amerikanischen Führungsnation zu übernehmen. Präsident Xi Jinping inszenierte sich im Januar 2017 beim Weltwirtschaftsforum in Davos als mächtigster Fürsprecher des freien Welthandels. Nun will China, nachdem US-Präsident Trump das Pariser Klimaschutzabkommen verlassen will, auch zur klimapolitischen Lead Nation aufsteigen.

Lernziele:
Die Studierenden sollen informiert werden über die historischen Hintergründe, die drei Machtsäulen auf denen der Staat ruht: Kommunistische Partei, Bürokratie und Militär. Ferner werden die aktuellen Entwicklungen in der Innen- und Außenpolitik aufgezeigt. Schließlich stellt sich die Frage, wie geht die Welt mit diesem neuen Hegemon um, der demnächst die USA als größte Wirtschaftsmacht ablösen wird? Kompetenzen: Durch den Besuch dieser Lehrveranstaltung sollen Sie ein besseres Verständnis für die Situation in China, aber auch der Entwicklung im süd- und ostchinesischen Meer erhalten und erkennen, wie wichtig gerade diese Region auch für uns in Europa ist.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten und Landkarten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wintersemester 2017/18

Internationaler Terrorismus

Die Terrorattacken vom 11. September 2001 werden als dramatischer Schlusspunkt der euphorischen 1990er Jahre in die Geschichte eingehen. Viele glaubten, in einer global vernetzten Welt hätten sich endgültig die Werte des Westens durchgesetzt, doch die westlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit, Gewalt, Frieden und Freiheit werden von neuen,  vor allem religiösen Fanatismen bedroht, die ihre Wurzeln und ihren Nährboden unter anderem im wachsenden Gefälle zwischen den reichen und den armen Völker haben. Dazu kommt der präzise geplante Aufstieg der Dschihadisten. Sie agieren vor allem grenzüberschreitend und besitzen damit ein Höchstmaß an Dynamik und Anpassungsfähigkeit, sie zeigen verschiedene Gesichter und erfinden sich immer wieder neu: Momentan ist es der sogenannte „Islamische Staat“ (IS), der sich häufig mit Erfolg bemüht, Menschen in unterschiedlichen Kulturen anzusprechen, um Anhänger und Terrororganisationen auf der ganzen Welt für sich zu gewinnen. Auch wenn wir in diesen Tagen erleben, dass der IS sein Herrschaftsgebiet in Syrien und dem Irak nicht weiter ausdehnen kann und zurückgedrängt wird, ist dies keine Entwarnung. Dem IS ist es gelungen, weltweit Chaos zu stiften und Hass zu säen. In Deutschland zeigten das allein im Jahr 2016 mehrere Festnahmen von Terrorverdächtigen sowie die Anschläge in Berlin (Weihnachtsmarkt), Hannover (Messerangriff auf Bundespolizisten), Essen (Bombenanschlag auf Sikh-Gebetshaus), Würzburg (Axt-Angriff in Regionalbahn) und Ansbach (Selbstmordattentat auf Musikfestival). Weitere Anschlagsplanungen wurden erfolgreich durchkreuzt.

Lernziele:

Die Studierenden sollen informiert werden über die Schwierigkeit, den Terrorismus zu definieren und ethisch zu bewerten. Ferner werden die unterschiedlichen Formen des Terrorismus dargestellt, der internationale Terrorismus wird in seinen verschiedenen Erscheinungsformen erläutert und die Unterschiede zum "neuen" Terrorismus werden aufgezeigt. Bei den Überlegungen zur Bekämpfung des Terrorismus wird auf die verschiedensten Handlungsebenen eingegangen. Zum Ende der Vorlesung sollen die prinzipiellen Lösungswege zur Bekämpfung des Terrorismus diskutiert werden.

Methode:

Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung

Zur Vorbereitung der politikwissenschaftlichen Vorlesung "Internationaler Terrorismus" empfiehlt sich folgende Literatur:
* Barth, Peter: Internationaler Terrorismus im Zeitalter der Globalisierung, München 2003
* ders.: Im Zeichen des Terrors. Erleben wir einen Kampf der Kulturen? München 2002
* Kador, Lamya: Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen, München 2015
* Napoleoni, Loretta: Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens, Zürich 2014
* Steinberg, Guido: Al-Qaidas deutsche Kämpfer. Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus, Hamburg 2014
* ders.: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror, München 2015
* Said, Behnam T.: Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden, München 2014

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Wintersemester 2017/18

Russland und Europa (ES)

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (nach Putins Worten “die größte geostrategische Katastrophe des 20. Jahrhunderts) war Russland nach dem Fall der Mauer für den Westen ein Partner. Es hat große Hoffnungen in Ost und West gegeben. Doch dann erfolgte 2014 die Annexion der Krim durch Russland und der Krieg in der Ukraine und 2015 der Luftkrieg in Syrien auf Seiten des syrischen Präsidenten Assad -  Putins neue Großmachtpolitik. Nach dem Ende der Sowjetunion hat sich in Russland ein neuer gesellschaftlicher Konsens gebildet, antiwestlich, antiliberal und staatshörig, der an tief verwurzelte Traditionen Russlands anknüpft. Putin, Vorreiter dieser fatalen Entwicklung, findet breite Zustimmung im Lande. Sein Kurs, durch die Destabilisierung Osteuropas verlorenen Einfluss zurückzugewinnen, führt unweigerlich in eine gefährliche Konfrontation mit dem Westen.

Lernziele:

Die Studierenden sollen informiert werden über die aktuellen Entwicklungen in Russland und der Ukraine. Ferner werden die verschiedenen Akteure und geistigen Strömungen im flächenmäßig größten Land der Erde aufgezeigt. Es soll ein ein historisch fundiertes, über den Tag hinaus gültiges Porträt des heutigen Russlands und der gefährlichen Politik Putins aufgezeigt werden und welche Möglichkeiten es für eine besonne Politik des Westens gibt.

Methode: Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz div. Medien.

Kompetenzen: Nach dem Besuch dieser Lehrveranstaltung sollten Sie grundlegende Kenntnisse über die aktuelle Situation in Russland und die Hintergründe der weiteren Konflikte in Osteuropa haben. Alle, denen  der neue Kalte Krieg in Europa Sorgen bereitet und wer wissen will, wohin sich Russland unter Putin bewegt,  sind  hier richtig.

Hinweise: Literatur in der Vorlesung

Zur Vorbereitung der politikwissenschaftlichen Vorlesung "Russland und Europa" (ES) empfiehlt sich folgende Literatur:
* Alexijewitsch, Swetlana: Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus, Berlin 2013
* Kappeler, Andreas: Kleine Geschichte der Ukraine, München 2014
* Laqueur, Walter: Putinismus. Wohin treibt Russland? Berlin 2015
* Mommsen, Margareta/Nußberger, Angelika: Das System Putin, München 2007
* Pleines, Heiko/Schröder, Hans-Henning (Hrsg.): Länderbericht Russland, Bonn 2010

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Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Wasser - ein globales politisches Problem


Thematik:

"Der nächste Krieg im Nahen Osten wird nicht um Politik, sondern um Wasser geführt werden", erklärte 1988 der damalige stellvertretende ägyptische Außenminister Boutrus Boutrus Ghali. Er wies damit als einer der ersten Politiker auf ein Problem hin, das nicht nur den Nahen Osten betrifft. Auch wenn Wasser zu den sich erneuernden Rohstoffen gehört, ist es dennoch begrenzt. Nur rund 2,5 Prozent des Wassers auf der Welt sind trinkbar, und von diesem können nur zwei Drittel genutzt werden. Für weite Teile der Erde gilt daher, daß der Kampf ums täglich Wasser ein Kampf um Leben und Tod ist.

Lernziele:
Die Studierenden sollen informiert werden über den hydrologischen Wasserhaushalt, die Faktoren, die dazu führen, daß Wasser ein knappes Gut ist und die möglichen hydrologischen Perspektiven. Ferner wird es darum gehen, einige Krisengebiete exemplarisch zu analysieren (vor allem im Bereich des Nahen Osten) und im letzten Teil der Vorlesung Lösungsansätze zum Thema Wassermangel zu diskutieren.

Methode:

Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung

Zur Vorbereitung der politikwissenschaftlichen Vorlesung "Wasser - ein globales politisches Problem" (Seminar) empfiehlt sich folgende Literatur:
* Barlow, Maude: Blaue Zukunft. Das Recht auf Wasser und wie wir es schützen können, München 2014
* Barth, Peter: Wasser - ein globales politisches Problem, München 2008
* Chellaney, Brahma: Water. Asia's new Battleground, Washington 2011

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Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

“Der Arabische Frühling (‘Arabellion’) und seine Folgen für Europa (ES)”.

Thematik:
Sechs Jahre nach dem Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011, in denen die Bevölkerung gegen die Diktatoren aufbegehrte, ist die Bilanz ernüchternd: Die Hoffnungen auf eine politische Zeitenwende sind vorerst gescheitert, stattdessen prägen Repression, Bürgerkriege und Dschihadismus viele Länder des Nahen Ostens. Nordafrika bleibt ein Pulverfass. Dennoch markieren die Proteste eine historische Zensur, die Perspektiven für die Zukunft eröffnet. Eine neue, junge Generation meldete sich zu Wort und die Verhältnisse in und zwischen den Staaten ordnen sich neu. Die Forderungen der Bürger in den Staaten der arabischen Welt sind sehr ähnlich: Würde, Freiheit, demokratische Beteiligung und ein Ende von Korruption und Unterdrückung. Was bedeutet das für Europa, für die Europäische Union und vor allem für Deutschland?

Lernziele:
Die Studierenden sollen informiert werden über die Brisanz der Konfliktlagen im Nahen Osten und in den Staaten Nordafrikas. Damit soll ein Grundverständnis für die Besonderheiten der Region geschaffen und die aktuelle Entwicklung verdeutlicht werden. Die Folgen dieser Entwicklungen bekommen nämlich auch die westlichen Gesellschaften zu spüren, in erster Linie die EU als Nachbarregion. Die Staaten  müssen sich fragen, welche Rolle sie bisher gespielt haben, welche Verantwortlichkeiten ihnen erwachsen und welche Möglichkeiten sie haben, um den aktuellen Herausforderungen wirksam zu begegnen.

Kompetenzen:
Durch den Besuch dieser Lehrveranstaltung sollen Sie informiert werden über die aktuelle Situation in der Region und erkennen, welche mögliche Auswirkungen  die Entwicklung dort gerade  auch für die Europäische Union haben kann. Entscheidend wird sein, prinzipielle Lösungsmöglichkeiten und Handlungsfelder einer europäischen und damit auch deutschen Politik aufzuzeigen.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien.

Disziplinäre Verortung und Literatur:
Zur Vorbereitung der politikwissenschaftlichen Vorlesung empfiehlt sich folgende Literatur:
* Lynch, Marc: Die neuen Kriege in der arabischen Welt. Wie aus Aufständen Anarchie wurde, Hamburg 2016
* Barth, Peter: Migration – Flucht – Asyl. Eine deutsch-europäische Betrachtung, München 2015
* ders.: Flüchtlingskrise und “Wir schaffen das”, München 2016
 


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Die politischen Beziehungen Europas zu den arabischen Staaten

Die arabische Welt war bisher  ein Synonym für den Mangel an Demokratie, für Unterdrückung, für die Herrschaft von Diktatoren und Autokraten, für haarsträubende soziale Ungerechtigkeit, für Korruption und Nepotismus, für Polizeistaat und Folter. Die gängigste Form des Protests in diesem Teil der  Welt war die friedliche Opposition einiger Aufrechter. Sie wurden bei gefälschten Wahlen um ihre Stimmen betrogen oder landeten im Gefängnis. Eine kleine Minderheit griff zum Terror. Militante legten Bomben, sprengten sich und Unschuldige in die Luft. Beide Formen des politischen Kampfes beeindruckten die Könige, Emire, Obristen und Präsidenten wenig. Sie haben es versäumt, sich auf das 21. Jahrhundert einzulassen - auf die Globalisierung, die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Aber jetzt müssen die Diktatoren und Könige ihr Volk fürchten. Die modernen Kommunikationsmittel Internet, Twitter, Facebook  und Handy haben einer jungen, nicht traditionell in offiziellen Parteien organisierten Basisopposition zu mehr Freiräumen verholfen, einen Volksaufstand von einer revolutionären Graswurzelkraft. Die Folge der Ereignisse in Tunesien und Ägypten könnte eine arabische Form der Domino-Theorie sein: Plötzlich sind auch bislang stabile Regierungen von inneren Unruhen und damit vom Sturz bedroht. Doch diese Entwicklung birgt auch Chancen. Sie könnte die Regime zwingen, sich mit den strukturellen Problemen ihrer Länder zu befassen. So hat sich in den vergangenen 30 Jahren die Bevölkerung in der Region von 180 Millionen auf 360 Millionen Menschen verdoppelt. Fast in allen Ländern ist die Hälfte der Menschen unter 30 Jahre alt. Bis 2030 kommen voraussichtlich weitere 150 Millionen Menschen hinzu, die alle eine Wohnung, Nahrung, Wasser und Arbeit benötigen. Dabei sind die nötigen Reformen klar und von arabischen Wissenschaftlern in Entwicklungsberichten der UN aufgezählt: Staatseinnahmen dürfen nicht länger zur Korrumpierung von Kritikern dienen, sondern müssen zum Ausbau von Schulen, Krankenhäusern und Straßen eingesetzt werden. Zudem muss ein Arbeitsmarkt geschaffen werden, auf dem Qualifikation mehr zählt als Beziehungen. Der politische und wirtschaftliche Umbau der arabischen Welt ist inzwischen eine fast unlösbare Aufgabe: Armut, Bevölkerungsexplosion, fehlende Bürgergesellschaft, überkommene Traditionen, die nie vollzogene Säkularisation des Islams. In der Sicht vieler Araber stehen die USA symbolhaft für einen lügenhaften Westen, der Demokratie predigt und sich nicht scheut, gleichzeitig mit den übelsten Despoten der Region Politik zu machen. Diese als doppelter Standard bezeichnete Grundhaltung bildet seit Jahrzehnten das Fundament arabischer Kritik an westlicher Politik im Orient. Und wo bleibt die europäische Position in diesem "arabischen Frühling"? Es gilt, die Forderungen nach Demokratie zu unterstützen und gleichzeitig zu verhindern, dass aus den Ruinen der alten Regime einfach eine neue Diktatur entsteht, diesmal eine antiwestliche. Doch beeinflussen kann dies das Ausland ohnehin nur beschränkt. Aber die "Friedensmacht Europa" hat einen einzigartigen Vorteil, der das Dilemma auflösen könnte. Wie man doch "eingreifen" kann, haben die Europäer während der portugiesischen Nelkenrevolution  1974 gezeigt. Washington fürchtete den Sieg der Kommunisten und setzte aufs Militär; gerade die Deutschen haben damals die demokratischen Parteien mit Geld und Aufbauhilfe unterstützt. So war es auch während der "sanften Revolution " in Osteuropa. Wer hilft, Parteien, Presse, Kommunalwahlen, soziale Markwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit zu organisieren, wird im Kleinen säen, was später zur Demokratie heranwachsen könnte.

Lernziele:
Die Studierenden sollen daher informiert werden über die Situation im Nahen und Mittleren Osten, der erneut zu einem Blickpunkt der Welt geworden ist. Unbestritten, die arabische Welt verändert sich - und zwar tiefgreifend Die Lage in Israel/ Palästina, der Krieg im Irak, in Afghanistan, der Kampf gegen den internationalen Terrorismus, die Veränderungen in der arabischen Welt sind Themen der Vorlesung. Wichtig dabei sind mögliche Entwicklungsperspektiven, die herausgearbeitet werden sollen. Dabei ist es notwendig zu zeigen, daß durch eine Kombination von amerikanischem Druck von außen und innenpolitischer Unzufriedenheit offensichtlich ein Windstoß des Wandels durch die arabische Welt geht.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Die Rolle der EU in der Weltpolitik (European Studies)

Thematik: Die Lehrveranstaltung befasst sich mit den Grundzügen der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union und deren zunehmenden Rolle in den internationalen Beziehungen. Themen sind u.a. Entwicklung, Ansatz und Zielsetzungen einer Gemeinsamen Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik, Europäische Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik. Die Beziehungen zu den USA und Russland, die Afrika- und Asienpolitik, die Rolle der EU im Nahostkonflikt sowie die Entwicklungspolitik.

Lernziele und Kompetenzen:
Die Studierenden erlangen durch den Besuch dieser LV vertiefte Kenntnisse über eines der der wichtigsten Politikfelder der EU. Sie erlangen die Kompetenz, die weltweiten Beziehungen der EU und die zunehmende Bedeutung bzw. Verantwortung der EU einschätzen zu können. Die Studierenden werden zur Teilnahme am europapolitischen Diskurs im weltweiten Kontext befähigt. Damit wird auch ihre europabezogene Bürgerkompetenz gestärkt. Sie können politikwissenschaftliche Erkenntnisse und politische Sachverhalte in mündlicher und schriftlicher Form kommunizieren.

Methode:
Vorlesung mit Diskussion. Aktive Teilnahme der Studierenden ist erwünscht. Eine Literaturliste und Unterrichtsmaterial wird in der Veranstaltung verteilt.

Hinweise:
2-stündig. Schriftliche Prüfung (SP) im Rahmen einer 60-minütigen Klausur.

 


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Die Europäische Union (I). Entwicklung, aktueller Stand, Zukunft - Schwerpunkt Außen- und Sicherheitspolitik, Europas Rolle in der Welt


Die Auswirkungen der Europäischen Integration prägen immer mehr unsere Politik, den Alltag und das Berufsleben. Im Rückblick auf Jahrhunderte kriegerischer europäischer Geschichte kommt der friedliche Zusammenschluss souveräner Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer "Europäischen Union" einer Revolution mit friedlichen Mitteln gleich. Die seit Kriegsende geschaffenen Institutionen, Regeln und Mechanismen der Zusammenarbeit haben das Zusammenleben der Völker tiefgreifend verändert. Es ist ein permanent von Krisen und Lähmungen begleiteter Prozess, der die europäische wirtschaftliche und politische Integration begleitet.

Thematische Schwerpunkte der Vorlesung sind neben der Integrationsgeschichte, den zentralen Strukturprinzipien der EU und einer Einführung in die Institutionen das Thema der Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik, Europas Rolle in der Weltpolitik und die Frage ist Europa eine Militär- oder Zivilmacht?

Lernziele:

Erlangen von Grundkenntnissen zum politischen System der EU. Erkennen der Chancen, aber auch Probleme, welche die Europäische Integration für den Einzelnen bietet. Befähigung zur Teilnahme am öffentlichen Europa-Diskurs.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Die Türkei auf dem Weg in die Europäische Union


Thematik:
Seit mehr als vierzig Jahren klopft die Türkei an die Tür der Europäischen Union (EU) und sucht um eine Vollmitgliedschaft nach. Kein anderer Beitrittskandidat jedoch polarisiert die politische Debatte und die öffentliche Meinung derart wie die Türkei. Anhand welcher Merkmale macht sich der europäische Diskurs über einen EU-Beitritt der Türkei bemerkbar? Welche Einstellungen lassen sich erkennen, wie wichtig ist die historische Erfahrung, wie schlagkräftig realpolitische Argumente? Lassen sich auf nationaler Ebene Unterschiede zwischen der jeweiligen Regierungsposition und der Einstellung der Öffentlichkeit feststellen? Wenn ja, worauf sind sie zurückzuführen? Und umgekehrt: Gehen die politischen Eliten auf die Wünsche bzw. Ängste ihrer Wähler ein? Inwieweit wird die Türkei-Debatte für politische Zwecke instrumentalisiert? Und nicht zuletzt: Wie schaut eigentlich die Finalität Europas aus? Welches Europa soll es sein/soll es werden?

Lernziele:
Die Studierenden sollen aus politikwissenschaftlicher Sicht informiert werden über die Argumente, die für und gegen einen EU-Beitritt der Türkei sprechen. Besonderer Schwerpunkt wird die historisch-religiöse Dimension (Tenor: Die islamische Türkei ist kein Land mit westlicher politischer Kultur), die realpolitische Möglichkeit (Tenor: Ein Beitritt bedeutet das Ende des europäischen Integrationsprojekts) und die kulturelle Bedeutung (Tenor: Die Türkei als Gegenmodell für den "clash of civilizations" und als Brücke zwischen dem Westen und dem Nahen Osten) sein.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Medieneinsatz

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Außen- und Sicherheitspolitik in Europa


Thematik:
Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) gehört zu den meist diskutierten Politikfeldern der EU. Sie ist geprägt von großen Herausforderungen, wie neuen Sicherheitsbedrohungen, regionalen Konflikten und Machthabern, instabilen Staaten, Armut, Migration und grenzüberschreitender Umweltzerstörung, aber auch von Chancen für eine weltweite Förderung von Demokratie, Frieden und Entwicklung und der Möglichkeit des Aufbaus einer friedlichen und gerechten Weltordnung. In keinem anderen Bereich liegen andererseits Begeisterung und Enttäuschung, Krise und Fortschritt so nah beieinander. Das Konzept der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) wurde 1998 initiiert, eine intensive Reformdebatte führte dann Ende 2003 zur Verabschiedung der ersten Europäischen Sicherheitsstrategie (ESS). Erste Adresse für die Sicherheitspolitik Europas bleibt aber nach wie vor das nordatlantische Verteidigungsbündnis, die NATO. Bisher ergänzen sich beide zwar noch weitgehend, eine Konkurrenzsituation ist aber auf Dauer nicht auszuschließen.

Lernziele:
Die Studierenden sollen informiert werden über die Schwierigkeit, den Terrorismus zu definieren und ethisch zu bewerten. Ferner werden die unterschiedlichen Formen des Terrorismus dargestellt, der internationale Terrorismus wird in seinenen verschiedenen Erscheinungsformen erläutert und die Unterschiede zum "neuen" Terrorismus werden aufgezeigt. Bei den Überlegungen zur Bekämpfung des Terrorismus wird auf die verschiedensten Handlungsebenen eingegangen. Zum Ende der Vorlesung sollen die prinzipiellen Lösungwege zur Bekämpfung des Terrorismus diskutiert werden.

Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Die Auswirkungen des Irak-Krieges auf die arabische Welt


Der Nahe und Mittlere Osten ist erneut zu einem Blickpunkt der Welt geworden. Der UN-Krieg um Kuwait, der Friedensprozess im Nahen Osten und der Krieg der USA und Großbritanniens im Irak haben die Beziehungen der Länder zueinander in Bewegung gebracht; es gibt neue weltwirtschaftliche Herausforderungen und Integrationsversuche, die die Region vor völlig neue Fragen stellen.
Von außen erscheint die arabische Welt aus westlicher Sicht einerseits bedrohlich, andererseits eigentümlich statisch, beinahe rückwärtsgewandt. Doch die Staaten des Nahen und Mittleren Osten wie Nordafrikas befinden sich in einer historischen Umbruchphase. Der Tod langjähriger Herrscher wie König Hussein von Jordanien, König Hassan von Marokko und Präsident Asad von Syrien hat in der arabischen Welt einen Generationenwechsel eingeleitet, der innerhalb eines Jahrzehnts zu einem vollständigen Austausch der politischen Führungseliten - nicht nur der Könige und Präsidenten - führen wird.
Was sind nun die wichtigsten Faktoren des Wandels in den Staaten dieser Region? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Wird sich der Nahe und Mittlere Osten eines Tages zu einer europäischen Demokratie entwickeln? Oder wird die Region nur pluralistischer, weil die neuen Führungen daran interessiert sind, ihre Länder wirtschaftlich stärker zu öffnen, besonders Europa gegenüber.


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

"Kampf der Kulturen" oder friedliche Konfliktlösungsmöglichkeiten?


Beginnt an der Schwelle zum 21.Jahrhundert ein durch den "Kampf der Kulturen" geprägtes Zeitalter? Diese Frage stelle bereits 1993 der Berater der amerikanischen r Regierung, Samuel P. Huntington, in einem weltweit vieldiskutierten Aufsatz, dessen Überschrift damals noch mit einem Fragezeichen versehen war. In der deutschen Ausgabe des nachgeschobenen Buches 1996 gerät der "Kampf der Kulturen" dann ohne Wenn und Aber zur Bestimmungsgröße für die "Neugestaltung der Weltpolitik im 21.Jahrhundert". Von Fragezeichen keinen Spur mehr. Ist der amerikanische Versuch, den Terrorismus zu bekämpfen, ein Schritt in Richtung "Kampf der Kulturen" oder findet er bereits jetzt schon statt, auch in Deutschland, wenn Bürger beispielsweise gegen die Errichtung von Moscheen protestieren, wenn Unterschriftenaktionen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft zirkulieren?

Lernziele:
Im Zeitalter von Globalisierung und Migration rückt die Fähigkeit, sich mit Menschen anderer Kulturen konfliktfrei zu verständigen, zur Schlüsselqualifikation auf. Die Studierenden sollen daher in einem ersten Schritt mit den Thesen von Huntington konfrontiert werden und im weiteren Verlauf der Vorlesung diese Überlegungen einer kritischen Betrachtung unterziehen. Dabei wird es darauf ankommen, Einfühlungsvermögen zu entwickeln: Welches Wertesystem bestimmt Denken und Handeln der anderen? Wo sind seine Empfindlichkeiten und Tabuzonen? Welches Bild hat er von meiner Kultur? Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es, um einen "Kampf der Kulturen" .- sowohl im Großen (international) als auch im Kleinen (national) zu verhindern? Wichtiger als das Finden schlüssiger Antworten ist der Reflex, sich diesen Fragen grundsätzlich zu stellen.
Methode:
Vorlesung, Arbeit mit Texten, Einsatz von Medien

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung


Wird im Wintersemester 2017/18 nicht gelesen

Islam und Islamismus aus politikwissenschaftlicher Sicht -
Eine Herausforderung für Deutschland

Thematik:
Über 3,2 Millionen Muslime leben gegenwärtig in Deutschland. Die meisten von ihnen sind aus fernen Ländern hierher gekommen und haben noch keinen deutschenn Paß. Sie leben hier weiterhin als Ausländer, etliche schon vierzig Jahre lang. Mitten unter uns ist ein islamisches Ghetto entstanden, hinter dessen Mauern man nur sehr schwer sehen kann. In Deutschland hat der Islam viele, extrem unterschiedliche Gesichter. Ist der organisierte Fundamentalismus das einigende Band zwischen den verschiedenen Gruppierungen? Welche Netzwerke sind gefährlich? Wer sind die Gesprächspartner der Kirchen, unserer staatlichen Institutionen? Ist Deutschland der Ausgangspunkt für eine europäische Form des Islam oder Sprungbrett für muslimische Radikale in der Welt? Welche konkrete Gefahr kann hierzulande vom isalmischen Ghetto ausgehen?

Lernziele:
Die Studierenden sollen aus politikwissenschaftlicher Sicht informiert werden über den Islam in Deutschland, seine Strukturen, seine Netzwerke, seine Akteure. Denn der Islam eignet sich wie keine andere Weltreligion als Gegenmodell zur pluralen Gesellschaft westlicher Prägung. Er ist nämlich nicht nur Religion mit weltweit mehr als einer Milliarde Gläubiger, sondern auch Welt-, Staats- und Gesellschaftsordnung in einem.

Methode:
Arbeit mit Materialien, Videos.

Hinweise:
Literatur in der Vorlesung